Termin-ID: 2243355

Was bleibt. 90 Jahre Ortsumsiedlungen im Lausitzer KohlerevierTIPP

Wann:17.09.2019, 09:00 - 17:00 Uhr
Wo:Energiefabrik, Hoyerswerda Knappenrode

Was bleibt. 90 Jahre Ortsumsiedlungen im Lausitzer Kohlerevier
Bis voraussichtlich zum 6. September wird im Sächsischen Industriemuseum: Energiefabrik Knappenrode die Wanderausstellung „Was bleibt. 90 Jahre Ortsumsiedlungen im Lausitzer Kohlerevier“ zu sehen sein.
Erstmals in der Geschichte dieses Industriemuseums rückt sie die Prozesse der Umsiedlung durch den Braunkohlenbergbau in der Region auf drei Zeitebenen ins Zentrum: Buchwalde (1928), Tzschelln (1976) und Trebendorf-Hinterberg (gegenwärtig). „Was bleibt“ ist eine Wanderausstellung der Energiefabrik Knappenrode, die eine Begegnung mit Bewohnern der umgesiedelten Dörfer ermöglicht. Sie verfolgt den Wandel der Lausitzer Heide vom stillen Bauernland zur tagebaugeprägten Industrieregion. Und sie begibt sich auf Spurensuche: Was bleibt von einem verschwundenen Dorf und seinen Menschen? Welche Bilder finden sich, welche Dinge sind durch die Jahre an uns weitergereicht worden? Welche Geschichten können noch gehört werden und was berichten sie uns? Mit ihrer aspektreich-poetischen Erzählung und einer visuell eindringlichen wie überraschenden Gestaltung ist „Was bleibt“ in einer Zeit tief greifender energiepolitischer Debatten ein Diskussionsbeitrag aus spezifisch Lausitzer Perspektive, der keinen Besucher kalt lassen wird.
Robert Lorenz, freier Ethnologe und Kurator der Ausstellung, sagte in seiner Eröffnungsrede am Mittwochabend: „Im Obersorbischen ist „Brunica“ bekanntlich die Kohle. „Brusnica“ hingegen ist die Preiselbeere. Beide wachsen in der Heide, und es trennt sie nur ein einziger Buchstabe. Wann immer ich über diesen sprachgeschichtlichen Zufall des Obersorbischen nachdenke, frage ich mich, ob hier nicht die Sprache in ihrer Entwicklung etwas antizipiert hat, das ihre Träger erst ab der Wende zum 20. Jahrhundert in seiner vollen Konsequenz zu erfassen beginnen sollten – in ihren eigenen Biografien.“ Die Gesellschaft stünde hier, so Lorenz, vor dem Paradebeispiel eines modernen Ursache-Wirkungs-Dilemmas, vor einer Verstrickung, die es darzustellen gelte. Einer Geschichte darüber also, warum und wie aus den Brusnica-Leuten die Brunica-Leute geworden seien und welchen Preis diese Transformation von ihnen bis heute abverlange.
Einhundert Besucher waren zur Eröffnung nach Knappenrode gekommen. Unter die offiziellen Partner der Ausstellung mischten sich auch zahlreiche Interessenten und Umsiedler aus den drei thematisierten Dörfern. Erfahrungen, Erinnerungen und Standpunkte wurden ausgetauscht und die Hoffnung geäußert, dass diese Wanderausstellung auf ihrer Reise durch Institutionen und Museen Deutschlands regen Anklang finden wird. Sie ist außerdem ein Zwischenergebnis einer Langzeitdokumentation der Energiefabrik Knappenrode und des Fördervereins Lausitzer Bergbaumuseum Knappenrode e.V., die mit Zeitzeugen nach den Auswirkungen des Braunkohlenbergbaus im Schleifer Kirchspiel forscht.
1924 mussten in der Lausitz zum ersten Mal ein Ort und seine Bewohner dem Braunkohletagebau weichen. Seither hat sich dieser Vorgang 136 Mal wiederholt. Bis heute wird aktiv Braunkohle in der Region abgebaut, was nach wie vor die Devastierung von Dörfern und die Umsiedlung zahlreicher Menschen nach sich zieht.